Schikanen und Übergriffe auf homo-, bi- und transsexuelle Personen kommen auf der ganzen Welt vor. Die Stigmatisierung der Homosexualität in vielen Kulturen führt dazu, dass über Gewalt gegen Homosexuelle nicht berichtet wird, dass es oft bei Übergriffen keine entsprechenden polizeilichen Ermittlungen gibt und die Fälle daher nicht öffentlich werden. Während einige Regierungen Übergriffe leugnen, rechtfertigen andere diese Vorkommnisse im Namen der Moral, Religion und Ideologie.
Viele Länder haben die Homosexualität kriminalisiert, was Misshandlung und Folter von Homosexuellen zur Folge hat. In einigen Ländern werden grausame Strafen gegen Homosexuelle angewandt wie etwa Auspeitschen.
Am 1. Januar 2002 wurden drei saudi-arabische Männer in Abha, der Hauptstadt der saudi-arabischen Provinz Asir, wegen ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet. Die Gerichtsverhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und die Unterlagen sind nicht öffentlich zugänglich.
In einigen Ländern wenden Polizisten und Gefängniswärter
inoffiziell Folter als Strafe an.
Folter ist nicht nur auf jene Länder beschränkt, in denen Homosexualität
per Gesetz verboten ist. Menschen, die aus anderen Gründen mit dem Gesetz
in Konflikt kommen, können auch wegen ihrer (vermeintlichen) sexuellen
Orientierung misshandelt werden.
Am 25. November 2000 wurde Berichten zufolge Jeffrey Lyons, ein 39-jähriger Heterosexueller, in Chicago von einer Gruppe von acht bis zehn Polizisten überfallen, die nicht im Dienst waren. Die Männer hatten gesehen, wie Jeffrey Lyons einen Freund vor einer Bar umarmt hatte. Sie brachen ihm Nasenbein und Kiefer, weiters erlitt er Verletzungen des Nervensystems. Während des Überfalls soll einer der Männer Lyons verhöhnt und gesagt haben: "Kapier' es endlich, ihr Schwulen werdet nie siegen."
Vergewaltigung und weitere Gewalttaten gegen Homosexuelle in Gefängnissen sind weit verbreitet. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International berichtet von Übergriffen und Misshandlungen in Gefängnissen und Krankenhäusern, um Homosexuelle daran zu hindern, sich zu organisieren und sich öffentlich für ihre Rechte einzusetzen.
Am häufigsten kommt es jedoch in den Schulen, am Arbeitsplatz und auf der Straße zu Gewalt gegen Homosexuelle. In Stockholm griffen Rechtsextreme im Sommer 2003 die "Pride Parade" an. Ein 26-Jähriger wurde niedergeschlagen und mit den Füßen getreten. Er musste ins Krankenhaus, um seine Wunden nähen zu lassen.
Ein junge lesbische Frau aus Simbabwe hat beschrieben, wie ihre Familie sie einsperrte und ein älterer Mann sie vergewaltigte, um ihre sexuelle Veranlagung zu "korrigieren": "Sie sperrten mich in einem Zimmer ein und führten jeden Tag diesen Mann dorthin, um mich zu vergewaltigen, damit ich schwanger würde und ihn heiraten müsste. Diese Übergriffe setzten sich fort, bis ich schwanger war."
Die UN-Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen sagte: "Solange Frauen nicht als Individuen mit einem Selbstbestimmungsrecht über ihre Sexualität angesehen werden, wird ihre andauernde soziale Unterlegenheit zu Gewalt gegen sie führen." Sexismus in der Gesellschaft schafft ein Klima, in dem lesbische und bisexuelle Frauen stärker gefährdet sind, misshandelt zu werden, als andere Frauen.
2001 wurde einem homosexuellen Paar, zwei Männern aus Bangladesch, in Australien das Asyl verweigert. Die Einwanderungsbehörden räumten zwar ein, dass Homosexualität in Bangladesch nicht akzeptiert ist und zu Verletzungen der Menschenrechte führen kann. Nichtsdestotrotz meinten sie, die Männer seien nicht gefährdet, wenn sie sich diskret verhielten. Im Dezember 2003 behandelte der Oberste Gerichtshof in Australien den Fall dieser Männer und befand, dass die Einwanderungsbehörden einen juristischen Fehler begangen hatten, indem sie Homosexuelle in zwei Gruppen aufteilten, "diskrete" und "nicht-diskrete".
Die sexuelle Orientierung eines Asylsuchenden kann für den Asylantrag von Bedeutung sein, wenn der Antragsteller wegen seiner sexuellen Veranlagung diskriminiert oder gar verfolgt worden ist. In vielen solchen Fällen hat sich der Antragsteller geweigert, an sozial oder kulturell definierten Rollen und Erwartungen eines "geschlechtsspezifischen Verhaltens" festzuhalten. Ist Homosexualität in einem Land illegal, können die Strafen so hart ausfallen, dass diese als Verfolgung angesehen werden können. Andere Fälle von Verfolgung treten dann auf, wenn die Homosexualität laut Gesetz zwar nicht verboten ist, die Gesellschaft jedoch vor Übergriffen die Augen verschließt, Diskriminierung toleriert und den Opfern keinen Schutz bietet.
Paul Hunt, der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Gesundheit, schrieb in seinem Bericht an die UN-Menschenrechtskommission:
"...die Sexualität ist ein grundlegender Aspekt der Identität eines Individuums. Sie hilft uns bei der Definition eines Menschen Das korrekte Verständnis von grundlegenden Menschenrechtsmaximen und von bestehenden Menschenrechtsnormen führt unvermeidlich dazu, dass man sexuelle Rechte als Menschenrechte anerkennen muss."
Quellen: Amnesty International, Human Rights Watch, UN-Menschenrechtskommission,
UNHCR
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Pride Parade in Venezuela. © Amnesty International |