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Eine Kampagne von Amnesty im Internet zur Freilassung von Le Chi Quang, der im November 2002 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er im Internet Texte über Demokratie und Menschenrechte veröffentlicht hatte.

© Amnesty International

Meinungsfreiheit bedroht

Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Artikel 19
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der UNO

"Die Geiselnahme von Journalisten untergräbt die Meinungsfreiheit", sagt Sarah Leah Whitson. Sie ist Leiterin der Abteilung Naher Osten und Nordafrika von Human Rights Watch, einer Organisation, die sich für die Achtung der Menschenrechte auf der ganzen Welt einsetzt.

Eine Gruppe im Irak mit Namen "Islamische Armee" übernahm die Verantwortung für den Tod des italienischen Journalisten Enzo Baldoni im August 2004 im Irak, sowie für die Entführung zweier französischer Journalisten, Christian Chesnot von Radio France Internationale und Georges Malbrunot von der Tageszeitung Le Figaro, am 20. August 2004.

"Dies schreckt Journalisten davon ab, über Konflikte und Übergriffe auf die Zivilbevölkerung im Irak zu berichten", führt Sarah Leah Whitson aus. "Geiseln zu nehmen ist darüber hinaus eines der schlimmsten Kriegsverbrechen und verstößt gegen das Völkerrecht."

Journalisten: Arbeit unter Lebensgefahr

Kriege und Konflikte werfen einen Schatten auf die Möglichkeiten der Berichterstattung durch die Medien. Nach Aussagen des Internationalen Journalistenverbandes (IFJ) wurden in den letzten zehn Jahren über 1.000 Journalisten und Medienmitarbeiter getötet. Allein im Jahre 2003, so teilt der Verband mit, kamen 92 Journalisten und Medienmitarbeiter ums Leben, 22 mehr als im Vorjahr.

Der Irakkrieg und die Konflikte in Kolumbien sowie auf den Philippinen haben mehreren Journalisten das Leben gekostet: Im Jahr 2003 starben im Irak 16 Journalisten, zwei galten als vermisst. In Kolumbien wurden im selben Jahr sieben Journalisten ermordet, in einem weiteren Fall wird ermittelt. Auf den Philippinen wurden drei Todesfälle bestätigt, der Tod von weiteren vier Journalisten wird untersucht, wie der IFJ berichtet.

In den beiden letztgenannten Ländern geht man davon aus, dass die Journalisten angegriffen wurden, weil sie Fälle politischer Korruption aufzudecken versuchten. Die Täter werden nur selten vor Gericht gebracht.

Eine der 2003 bei ihrer Arbeit ums Leben gekommene Journalistin war Zahra Kazemi. Am 13. Juli starb sie im Alter von 54 Jahren. Sie war kanadische Staatsbürgerin, aber im Iran geboren. Als sie ein Gefängnis in Teheran fotografierte, wurde sie verhaftet und laut Aussagen bewusstlos geschlagen. Sie starb an einer Gehirnblutung, nachdem sie im Polizeigewahrsam im Koma war. Zahra Kazemi war freiberuflich für "Recto Verso" tätig, eine Zeitschrift in Montreal, und für die Fotoagentur "Camera Press" in London. Die Behörden untersuchten die Umstände, die zu ihrem Tod geführt hatten, erst auf internationalen Druck hin.

Hilfe für bedrohte Journalisten

Der Safety Fund, (Sicherheitsfonds), leistet humanitäre und Rechtshilfe für gefährdete Journalisten, die in Gebieten mit einer angespannten sozialen und politischen Lage tätig sind. Der Fonds unterstützt Journalisten, die an ihrer Arbeit entweder gehindert, oder von nichtstaatlichen Gruppen oder Behörden bedroht werden. Der Fonds des IJF wurde 1992 von Journalisten gegründet und für Journalisten eingerichtet. Er ist international als wichtiges Hilfsinstrument für Journalisten, die verfolgt und bedroht werden, anerkannt.

Im Dezember 2003 verurteilten drei internationale Experten in einer gemeinsamen Presseerklärung die Kontrolle von Journalisten und Medieninformationen in vielen Staaten. Es waren dies Ambeyi Ligabo, UN-Sonderberichterstatter für Meinungs- und Redefreiheit; Freimut Duve, Medienbeauftragter der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa); sowie Eduardo Bertoni, Berichterstatter für Meinungsfreiheit der OAS (Organisation Amerikanischer Staaten). Sie unterstrichen die Bedeutung der Rolle der Medien für den Demokratisierungsprozess. Sie betonten, dass Journalisten nicht durch rechtliche Maßnahmen an ihren Recherchen oder am Schreiben gehindert oder Vergeltungsaktionen ausgesetzt werden dürften. Sie forderten auch die Eigentümer von Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten auf, Journalisten bei ihren Recherchen zu unterstützen.

Migranten und Flüchtlinge in den Medien

Die Medienwissenschafterin Ylva Brune von der schwedischen Universität Göteborg, schreibt in ihrer Abhandlung "Nachrichten von der Grenze", dass Medien zu stereotypen Vorstellungen über Menschen beitragen. Ihre Studie basiert auf Zeitungsartikeln ab den 1970er Jahren. In einem Interview sagt Ylva Brune, dass Flucht und Migration in den Nachrichten im Wesentlichen mit Hilfe von Quellen der Polizei und Migrationsbehörden beschrieben werden. Sie befürchtet, dass die Stimme der Flüchtlinge dabei zu kurz kommt. Ylva Brune schlägt deshalb der Publizistik vor, die Menschenrechtsperspektive stärker zu berücksichtigen. Ihrer Meinung nach sollten Journalisten versuchen, mit Menschen aus anderen Kulturkreisen Kontakte zu knüpfen.

Quellen: Internationaler Journalistenbund, Safety Fund, Human Rights Watch, UNO, Quick Response