Wenn ein Krieg ausbricht und Menschen Verfolgung ausgesetzt sind, trifft es Kinder besonders schlimm. Während der Flucht herrscht Chaos und Aufregung; dabei kann ein Kind leicht verloren gehen. Manchmal werden Kinder von Soldaten gekidnappt und in den Kampf geschickt oder müssen als "Leibeigene" für Soldaten arbeiten. Gegenwärtig werden etwa 300.000 Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt als Kindersoldaten in den Krieg gezwungen. Viele von ihnen sind Mädchen, die als Sexsklavinnen missbraucht werden und dadurch einem hohen Risiko ausgesetzt sind, sich mit HIV/AIDS anzustecken.
Während des Völkermordes in Ruanda sowie der Konflikte in Burundi und der Demokratischen Republik Kongo wurde eine große Zahl von Kindern von ihren Eltern getrennt. Von den Kindern wurden Fotos gemacht und in den verschiedenen Flüchtlingslagern der Nachbarländer gezeigt. Viele Eltern konnten ihre verschollenen Sprösslinge darauf wieder erkennen; auf diese Weise gelang es, die Familien zusammenzuführen.
In jenen Fällen, in denen es nicht möglich war, die Eltern oder andere Angehörige zu finden, versuchte man, die Kinder in Pflegefamilien aus der jeweiligen Flüchtlingsgruppe unterzubringen. Die Pflegefamilien erhielten eine Beihilfe, wenn sie ein weiteres Kind betreuten.
Manche Flüchtlingskinder sitzen den ganzen Tag lang still, andere schaukeln eintönig hin und her, schreien scheinbar grundlos, oder werfen in einem plötzlichen Wutausbruch Dinge durch die Gegend. In den Nächten werden sie von schrecklichen Albträumen geplagt.
Auf dem Weg in ein Land, in dem sie Sicherheit und Geborgenheit finden, müssen viele Kinderflüchtlinge Hunger leiden. Viele werden krank - ohne Hoffnung auf ärztliche Hilfe. Obwohl sie Kinder sind, können sie gefoltert, misshandelt oder verhaftet werden. Viele haben großes Leid erfahren und Dinge miterlebt, die keinem Menschen, und vor allem keinem Kind, zumutbar sind.
Wenn möglich, erhalten diese Kinder ärztliche Betreuung und psychologische Hilfe. Mit Geduld und liebevoller Betreuung und durch einen geregelten Tagesablauf mit Unterricht und Freizeitmöglichkeiten beginnen viele, sich zu erholen und ein einigermaßen normales Leben zu führen. Der tägliche Schulbesuch hilft den Kindern, ihren Alltag zu strukturieren und eine gewisse Ordnung in ihr zuvor so chaotisches Leben zu bringen. Der Unterricht kann den Kindern auch wieder das Gefühl geben, wichtig zu sein.
Ein Flüchtlingslager wird ihr vorübergehendes Zuhause, während sie auf den Tag warten, an dem sie und ihre Familien sicher nach Hause zurückkehren können. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, Essen, sauberes Wasser, ärztliche Betreuung und Ausbildung. Alle Kinder der Welt haben ein Recht darauf. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR setzt sich gemeinsam mit anderen Organisationen dafür ein, den Bedürfnissen von Flüchtlingskindern bestmöglich zu entsprechen.
Mit Hilfe von UNHCR erhalten über eine Million von etwa fünf Millionen Flüchtlingskindern weltweit Schulunterricht in der Grund- und Mittelstufe.
Etwa 39 Prozent der Flüchtlinge weltweit sind Kinder und Jugendliche, in Zentralafrika sind 57 Prozent aller Flüchtlinge jünger als 18 Jahre.
Insgesamt leben 40 Prozent der Menschen, die von UNHCR Hilfe erhalten, in Flüchtlingslagern und 13 Prozent in Städten. Der Rest lebt auf dem Land. In Afrika leben 50 Prozent aller Flüchtlinge in Lagern, während weniger als zehn Prozent der Flüchtlinge in Europa, den USA, Mittel- und Südamerika sowie in Asien in Lagern leben.
Nach Schätzungen von UNICEF, dem Kinderhilfswerk der UNO, sind in den letzten zehn Jahren mehr als zwei Millionen Kinder in Folge von Konflikten ums Leben gekommen. Im gleichen Zeitraum wurden sechs Millionen Kinder verstümmelt, und mindestens eine Million Kinder sind durch Konflikte zu Vollwaisen geworden.
Internationale Abkommen sind für den Schutz der Flüchtlingskinder wichtig, da sie Normen festsetzen. Mit der Unterzeichnung einer Konvention verpflichtet sich ein Land gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft, sich an bestimmte Regeln zu halten. Die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 gilt für Kinder genauso wie für Erwachsene; Flüchtlingskinder dürfen nicht in ein Land zurückgeschickt werden, in dem ihnen Verfolgung droht.
Auch die UN-Kinderrechtskonvention ist für Flüchtlingskinder wichtig, sie gilt gleichermaßen für alle Kinder eines Landes: Asylsuchende, mit Aufenthaltsgenehmigung oder Staatsbürger. Sie greift alle praktischen Aspekte eines Kinderlebens auf: Gesundheit, Bildung, soziale und politische Rechte.
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Afghanische Flüchtlinge. © UNHCR/M.Shinohara |