Das Frachtschiff MS Tampa der norwegischen Reederei Wilh. Wilhelmsen, unterwegs von Freemantle (Australien) nach Singapur, empfing am 26. August 2001 eine Nachricht der australischen Seerettung, wonach ein Schiff in internationalen Gewässern zwischen Indonesien und der australischen Weihnachtsinsel in Seenot geraten war.
Das Schiff erwies sich als übervolles Holzboot mit einer Länge von etwa 25 Metern. An Bord drängten sich 433 Menschen, die meisten aus Afghanistan. Kapitän Arne F. Rinnan beschloss, alle 433 Menschen an Bord der MS Tampa aufzunehmen. Es kam jedoch zu Problemen, als die australischen Behörden dem norwegischen Schiff auf der Suche nach Hilfe die Einfahrt in australische Hoheitsgewässer verweigerten.
Mangel an Essen, Kleidung, Arzneien und unbefriedigende sanitäre Verhältnisse ließen die Situation auf dem Schiff schnell unerträglich werden. Mehrere Asylsuchende begannen einen Hungerstreik und drohten, ins Meer zu springen, wenn das Schiff nicht unverzüglich Australien ansteuere. Kapitän Rinnan ersuchte die australischen Behörden, den Passagieren sofort mit Medikamenten und Nothilfe beizustehen, diese erfüllten die Bitte jedoch nicht. Wegen der Situation an Bord der MS Tampa und der drohenden Gefahr für Menschenleben beschloss Kapitän Arne F. Rinnan am 29. August, ein internationales Notsignal auszusenden und Kurs auf die Weihnachtsinsel zu nehmen.
Vor der Weihnachtsinsel wurde die MS Tampa von einer Spezialtruppe aus Australien geentert, die die Kontrolle über das Schiff übernahm. Die australischen Behörden weigerten sich, die Passagiere an Land gehen zu lassen, da diese politisches Asyl beantragen würden. Kapitän Arne F. Rinnan erklärte, dass die Sicherheit an Bord nicht zufriedenstellend war und weigerte sich, wieder in internationales Gewässer auszulaufen, bevor die Flüchtlinge an Land gegangen seien. Die norwegische Reederei und die Regierung Norwegens unterstützten den Kapitän bei seiner Entscheidung. Der Umgang der australischen Regierung mit der Situation wurde in den Medien ausführlich diskutiert und führte zu einem Proteststurm von Behörden und Menschenrechtsorganisationen auf der ganzen Welt.
Am 1. September 2001 gab es einen ersten Schritt der Annäherung zwischen den festgefahrenen Positionen: Ein Teil der Flüchtlinge wurde von der kleinen Pazifikinsel Nauru für den Zeitraum der Bearbeitung ihrer Asylgesuche aufgenommen. Australien leistete Nauru finanzielle Hilfe für die Einrichtung von Flüchtlingslagern auf dem Pazifikatoll. Viele haben jedoch über die schwierigen Bedingungen auf der Insel berichtet, und mehrere Flüchtlinge gingen aus Protest gegen die schlechten Lebensbedingungen im Lager in Hungerstreik.
Die letzten verbliebenen neun Bootsflüchtlinge erhielten von den Behörden Neuseelands den Flüchtlingsstatus und die Genehmigung, in der zweiten Hälfte des Jahres 2004 an Land gehen zu dürfen. Insgesamt hat Neuseeland 209 der 433 von der MS Tampa geretteten Schiffbrüchigen aufgenommen. Von den übrigen Bootsflüchtlingen leben heute 28 in Australien, sieben in Schweden und zwei in Norwegen. 186 Personen sind in ihre Heimat zurückgekehrt, und eine starb auf Nauru.
Bei einer Feier in Oslo am Weltflüchtlingstag, dem 20. Juni 2002, wurden Kapitän Rinnan, die Besatzung der MS Tampa und der Eigentümer der Reederei vom damaligen UN-Flüchtlingskommissar, Ruud Lubbers, im Beisein von Königin Sonja und dem damaligen norwegischen Ministerpräsidenten, Kjell Magne Bondevik, mit dem jährlich verliehenen Nansen-Flüchtlingspreis ausgezeichnet.
Sie erhielten den Preis für ihre besonderen Verdienste um die Einhaltung der internationalen Abkommen zur Rettung von Menschen in Seenot und ihre Zivilcourage. Es kommt häufig zu solchen Rettungsaktionen, wenn sich Flüchtlinge und Asylsuchende auf untaugliche Schiffe begeben, um Verfolgung und Übergriffen zu entkommen. Kapitän Arne F. Rinnan entschloss sich zur Rettung der Bootsflüchtlinge, obwohl er damit große Verspätungen und finanzielle Verluste für die Reederei riskierte und obwohl das Lastschiff nicht für die Aufnahme einer derart großen Gruppe von Passagieren gerüstet war.
Der Nansen-Flüchtlingspreis wird seit 1954 an Personen und Organisationen vergeben, die sich um die Flüchtlingshilfe verdient gemacht haben.
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Arne Rinnan, Kapitän der MS Tampa. |