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Asylland Österreich

Seit 1945 sind mehr als zwei Millionen Flüchtlinge nach Österreich gekommen, fast 700.000 Menschen sind geblieben. Aufgrund seiner geografischen Lage war Österreich jahrzehntelang das wichtigste Land für die Erstaufnahme von Flüchtlingen und Auswanderern in Europa.

Fünfziger und sechziger Jahre: Umsiedler und "Gastarbeiter"

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Erklärung der staatlichen Selbständigkeit Österreichs suchten rund 1,6 Millionen ehemalige "Reichsdeutsche", Flüchtlinge und Umsiedler in der Alpenrepublik Schutz.

Schon 1951, im Gründungsjahr des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR, wurde ein Zweigbüro in Österreich eingerichtet. Damit ist UNHCR von allen UN-Organisationen am längsten in Österreich vertreten. UNHCR half hier organisatorisch und finanziell bei der Bewältigung der Flüchtlingsnot nach dem Zweiten Weltkrieg - nicht zuletzt mittels eines Wohnbauprogramms, das über 4000 Eigenheime schuf. Als 1956/57 180.000 Ungarn ins Land kamen, gab es in Österreich schon 114.000 Flüchtlinge aus den Nachkriegsjahren zu versorgen. 20.000 von ihnen lebten noch in Flüchtlingslagern.

Durch die Abwanderung, die hohe Sterblichkeitsrate in den Nachkriegsjahren und den wirtschaftlichen Aufschwung entstand ein Bedarf an Arbeitskräften. Österreich begann, so genannte "Gastarbeiter" anzuwerben, die als Personal für Hilfsarbeiten und angelernte Arbeiten dienen sollten.

Nach Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die damalige Tschechoslowakei brachten sich im Jahr 1968 162.000 Tschechen und Slowaken durch Flucht nach Österreich in Sicherheit. Die meisten konnten zurück, 2000 Menschen ließen sich nieder.

1972 nahm Österreich aufgrund international vereinbarter Quoten erstmals nicht-europäische Flüchtlinge vorübergehend auf, die aus Krisengebieten stammten: 1500 asiatisch-stämmige Ugander, danach Chinesen aus Kuba, Vietnamesen, Kambodschaner und Kurden aus dem Iran sowie Chilenen und Argentinier nach dem Putsch 1973.

1980/81 setzte die nächste große Fluchtbewegung aus Osteuropa ein: Als in Polen das Kriegsrecht ausgerufen wurde, kamen 33.000 Flüchtlinge nach Österreich. 90 Prozent reisten in Drittländer weiter.

Neunziger Jahre: Jugoslawien-Krieg und Kosovo-Krise

Die kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerfall Jugoslawiens trieben viele Menschen in die Flucht. Um den Jahreswechsel 1991/92 kamen rund 13.000 Männer, Frauen und Kinder aus Kroatien, wurden in Österreich versorgt und kehrten im Frühjahr 1992 größtenteils heim. Zu diesem Zeitpunkt trafen schon die ersten Flüchtlinge aus Bosnien-Herzegowina ein. Rund 90.000 solcher "De-facto-Flüchtlinge" wurden hier aufgenommen. Nach 1995 kehrten viele heim, doch rund 60.000 Bosnier fanden in Österreich eine zweite Heimat - die umfangreichste und aufwändigste Aufnahmeaktion in der langen Geschichte des Asyllandes Österreich.

Als im Frühjahr 1999 die Vertreibung der Kosovo-Albaner eskalierte, nahm Österreich - wie andere Staaten - Flüchtlinge auf: mehr als 5000 Menschen. Gleich nach dem Ende der Kämpfe im Sommer 1999 begann eine erste Rückkehrbewegung.

2000 bis heute: Rückgang der Anträge

Angesichts der anhaltenden Instabilität in Tschetschenien bildeten die Tschetschenen 2004 die größte Gruppe in der immer kleineren Zahl an Asylwerbern, gefolgt von Menschen aus Serbien-Montenegro. Insgesamt liegt die Anzahl der Asylsuchenden, die an Österreichs Türe klopfen, voll im internationalen - rückläufigen - Trend. Seit 2002 geht die Anzahl der Anträge Jahr für Jahr zurück: Waren es 2002 noch etwas über 39.000 Anträge, so wurden 2004 nur noch rund 24.700 Anträge gezählt. Der Hintergrund: Die Krisen in Afghanistan und Irak trieben nicht mehr so viele Menschen in die Flucht wie noch wenige Jahre zuvor.

Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien bei ihrer Ankunft in Wien.

© UNHCR