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Asylland Schweiz

Lange Zeit war die Schweiz ein Auswanderungsland. Noch Ende des 19. Jahrhunderts emigrierten viele SchweizerInnen aus wirtschaftlichen Gründen in die USA oder nach Russland. Erst in der Zeit des grossen Wirtschaftsaufschwungs vor 1900 wanderten erstmals mehr Menschen in die Schweiz ein, als aus ihr auswanderten.

Flucht aus dem Krieg in die neutrale Schweiz

Während des Ersten Weltkrieges suchten viele Kriegsflüchtlinge in der neutralen und vom Krieg verschonten Schweiz Unterschlupf. Nur wenige von ihnen wurden ausgewiesen. Rund 26'000 Kriegsflüchtlinge wurden dagegen in Internierungslagern untergebracht. Insgesamt hatten im Ersten Weltkrieg fast 70'000 Menschen vorübergehend in der Schweiz Zuflucht gefunden. Zu diesen gehörten auch Prominente wie der russische Revolutionär Lenin.

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges lebten nur rund 8000 Flüchtlinge (knapp 0,2 Prozent der Wohnbevölkerung) in der Schweiz. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle, gegen Ende des Krieges im Jahre 1945, fanden rund 115'000 Menschen in der Schweiz Zuflucht. Insgesamt hielten sich während des Krieges rund 300'000 Flüchtlinge für kürzere oder längere Zeit in der Schweiz auf. Die Schweizer Flüchtlingspolitik während des Zweiten Weltkrieges kann als restriktiv betitelt werden.

Nachkriegszeit: Gastarbeiter und osteuropäische Flüchtlinge

Die Migration aus wirtschaftlichen Gründen hat die Nachkriegszeit in der Schweiz stark geprägt. Zwischen 1950 und 1970 stieg der Ausländeranteil in der Schweiz von gut 6 auf mehr als 17 Prozent an. Viele Italiener, Spanier und Portugiesen arbeiteten als Gastarbeiter oder Saisonniers, und durften somit nur 9 Monate im Jahr in der Schweiz wohnen, und ihre Familie nicht nachkommen lassen. In den Augen der Schweizer Bevölkerung stellten die Saisonniers Arbeitskräfte dar, und ihre Bedürfnisse als Menschen erschienen zweitrangig.

Heute sind viele Einflüsse der italienischen Kultur nicht mehr aus dem Schweizer Selbstverständnis wegzudenken. Diese Menschen aus Italien, Spanien und Portugal, denen einmal mit grossem Misstrauen begegnet worden war, stellen heute einen integralen und wichtigen Bestandteil der Schweizer Bevölkerung dar.

Dazu kamen aber auch Flüchtlinge in die Schweiz. In den 50er bis 70er Jahren waren dies vor allem Asylsuchende aus kommunistischen Ländern. So nahm die Schweiz nach dem Ungarnaufstand 1956 vorübergehend 14'000 Flüchtlinge auf. 1968, nach dem so genannten "Prager Frühling", fanden rund 11'000 Tschechen in der Schweiz Asyl. Ausserdem flohen in den frühen 1960er Jahren viele Einwohner Tibets in die Schweiz.

Fluchtland Schweiz in den 1980er und 1990er Jahren

Die ersten grösseren Flüchtlingsgruppen in den 1980er Jahren kamen aus Südostasien und aus Polen in die Schweiz. Wegen des in Sri Lanka wütenden Bürgerkriegs stellten zahlreiche Tamilen in der Schweiz ein Asylgesuch. Auch sie wurden in den ersten Jahren ihres Aufenthalts mit Vorurteilen, Rassismus und Ängsten seitens der Schweizer Bevölkerung konfrontiert, und teilweise förderten die Medien eine Stigmatisierung der Tamilen als Kriminelle.

Dieses Bild hat sich allmählich verändert, und heute werden Tamilinnen und Tamilen vor allem in der Hotellerie und in der Gastronomie als unentbehrliche Mitarbeiter geschätzt. Seit Mitte der 1980er Jahre stieg die Zahl der Asylgesuche stark an und erreichte 1991 mit über 40'000 Gesuchen einen Höhepunkt. Nach einem leichten Rückgang wurden wegen des Krieges in Serbien und Montenegro in den Jahren 1998/1999 erneut mehr Asylgesuche gestellt.

Gleichzeitig mit dem Anstieg der Gesuche sank jedoch die Anerkennungsquote. Viele abgewiesene, nicht anerkannte Flüchtlinge aus Kriegs- oder Krisengebieten durften aber nach der Ablehnung ihres Gesuches trotzdem in der Schweiz bleiben, da es aufgrund von humanitären Überlegungen nicht zumutbar war, sie in ihre Heimat zurückzuschicken.

Rückgang der Anträge in den letzten Jahren

Seit dem Jahre 2002, in welchem gut 26'000 Menschen in der Schweiz Asyl beantragt hatten, ist die Zahl der gestellten Gesuche stetig gesunken, und liegt im Jahr 2005 bei rund 10'000.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Serbien-Montenegro, Somalia, Bosnien-Herzegowina, Irak und der Türkei. Intensiv diskutiert wurde in den letzten Jahren auch das Schicksal der rund 100'000 so genannten "Sans-Papiers", die ohne Ausweisdokumente in der Schweiz leben und arbeiten.

Die humanitäre Tradition der Schweiz

Die Schweiz verfügt über eine ausgeprägte humanitäre Tradition. Durch ihr langjähriges Engagement in diesem Bereich wird die Schweiz in der ganzen Welt mit humanitären Werten in Verbindung gebracht.

So wurde im Jahre 1863 auf Initiative des Genfers Henri Dunant das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) auf Schweizer Boden gegründet. Heute ist die Schweiz immer noch Depositarstaat der Genfer Konventionen und ihrer Zusatzprotokolle und überwacht die weltweite Verankerung, Weiterentwicklung und Einhaltung des humanitären Völkerrechts. In vielen Krisen- und Katastrophengebieten nimmt die Schweiz an der humanitären Hilfe teil.

Aber auch innerhalb der Schweiz stellt der Gedanke, ein Staat mit einer tief verankerten humanitären Tradition zu sein, einen wichtigen Teil des Schweizer Selbstverständnisses dar. In der Debatte über die aktuelle Flüchtlings- und Migrationspolitik wird deshalb auch immer wieder über die humanitäre Tradition der Schweiz diskutiert.

Resedokument och 1951 års flyktingkonvention

Flüchtling aus dem Kosovo mit seinem Kind in Fribourg 1999.

© Bertrand Cottet / Schweizerische Flüchtlingshilfe