Herr J. beobachtet im August 2004 am Maurer Hauptplatz in Wien, wie drei Männer zunächst "Austria" und "Rapid" grölen, dann aber beginnen, "Scheiß-Afrika" und "Wir bauen eine U-Bahn bis Auschwitz" zu schreien.
Herr M. aus Wien befindet sich auf dem Weg zu einer Telefonzelle, als
er von sieben unbekannten Personen überfallen wird. Er wird von diesen
mit "Fuck Neger" beschimpft und geschlagen. Außerdem rauben
sie ihm 75 Euro und sein Handy. Herr M. möchte keine Anzeige gegen Unbekannt
erstatten, da die Erfolgsaussichten als sehr gering gelten. Er will seinen
Fall aber dokumentiert wissen.
Diese beiden erschreckenden Vorfälle sind nur zwei von vielen im ZARA-Rassismus-Report. ZARA steht für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. Im Jahr 2004 dokumentierte diese Nicht-Regierungs-Organisation insgesamt 907 Vorfälle rassistischer Diskriminierung, die Opfer und Zeugen von Rassismus bei ZARA gemeldet haben. Dazu zählen diskriminierende Vorfälle im Alltag, am Arbeitsplatz, in Lokalen oder rassistische Beschmierungen an Hausmauern.
Seit 1999 wollen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von ZARA vermitteln, dass Rassismus jeden angeht und seine Auswüchse sichtbar machen.
Die Förderung der Zivilcourage und einer rassismusfreien österreichischen Gesellschaft, die Bekämpfung von allen Formen des Rassismus, die Förderung der rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung aller Menschen in Österreich unabhängig von Hautfarbe, Sprache, Aussehen, Religionszugehörigkeit, Staatsbürgerschaft oder Herkunft sind Ziele von ZARA.
Die oben beschriebenen Beispiele zeigen, dass Anderssein leider oft Rassismus hervorruft - auch Asylsuchende und Flüchtlinge müssen darunter leiden. "Wir richten uns an alle Betroffenen - aber viele dieser Leute sind ehemalige Asylsuchende und wenden sich wegen rassistischer Vorfälle an uns", meint Dieter Schindlauer, ZARA-Obmann seit der Gründung des Vereins. "Gerade afrikanische Menschen - oft mit Asylhintergrund - sind leider häufig betroffen und brauchen unsere Hilfe."
Menschen, die mit Rassismus konfrontiert wurden, brauchen Information, Unterstützung und Beratung, wie sie damit weiter umgehen können. Diese finden sie bei ZARA. Die Organisation widmet sich umfassend der Anti-Rassismus-Arbeit: Beratung von Opfern und Zeugen von Rassismus, Rassismus-Monitoring und die Dokumentation von Vorfällen.
ZARA ist mittlerweile ein Expertenpool, der von internationalen Gremien gehört wird und Stellungnahmen zu Gesetzesentwürfen verfasst. Einen weiteren Erfolg sieht Schindlauer darin, dass ZARA sich mittlerweile in der österreichischen Gesellschaft verankert hat. "Passiert etwas Rassistisches, gehe ich zu ZARA." Dieser Gedanke wurde aufgenommen, folgert Schindlauer. Viele Menschen landen über Mundpropaganda und die Vermittlung von anderen Organisationen bei ZARA.
Auch weiterhin ist die Arbeit der Organisation wichtig, um gegen Rassismus aufzutreten. Das ZARA-Büro erhält regelmäßig anonyme Drohbriefe und Anrufe. Anti-Rassismus in Österreich ist möglich, aber "es braucht eine Stelle wie ZARA", meint Schindlauer. "Die Ausweglosigkeit der Menschen, die zu uns kommen, können wir nicht ignorieren."
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Beschmierungen in der Johnstraße in Wien. © ZARA (Verein für Zivilcourage |