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"Unser Lebensstil ist der beste!"

Die meisten Menschen in Europa haben keine deutlich negativen Einstellungen gegenüber Ausländern, und auch nicht gegenüber Flüchtlingen. Aber in allen europäischen Ländern gibt es trotzdem eine nicht zu unterschätzende Zahl von Menschen, die Vorbehalte gegenüber bestimmten Gruppen haben.

"In west- und osteuropäischen Gesellschaften vermeidet eine Minderheit von Menschen - einer von fünf Befragten - den gesellschaftlichen Kontakt mit Einwanderern und Angehörigen von Minderheiten", heißt es in einer Studie der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit von 2004.

In Nord- und Westeuropa ist demnach eine negative und ausgrenzende Einstellung gegenüber Minderheiten weniger weit verbreitet als in den Mittelmeerländern und einigen Staaten Osteuropas. Es zeigte sich auch, dass Personen mit einem höheren Bildungsabschluss, die Bewohner von Städten und jüngere Menschen toleranter sind.

In einer schwedischen Umfrage über Intoleranz, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit brachte nur durchschnittlich einer von zwanzig Schülern eine überwiegend negative Haltung zum Ausdruck. Hier zeigte sich auch, dass Mädchen weniger negative EInstellungen hatten als Jungen.

"Über- und unterlegen"

Rassismus beruht auf einer Lehre, nach der die Menschen in verschiedene Rassen und Volksgruppen unterteilt werden können. Rassisten glauben, "über-" bzw. "unterlegene" Volkgruppen, Rassen und Individuen definieren zu können. Rassismus kommt häufig durch Handlungen gegenüber Gruppen oder gegenüber Einzelpersonen zum Ausdruck oder dadurch, dass eine Person bestimmte Ansichten und Auffassungen vertritt.

Sich "ausgegrenzt" fühlen

Struktureller Rassismus entsteht, wenn die Entwicklung in der Gesellschaft zu stärkeren Unterschieden zwischen der Mehrheit der Bevölkerung und eingewanderten ethnischen Minderheiten führt. Der Zugang zu Wohnung, Arbeit, Bildung und politischer Mitbestimmung gestaltet sich für die verschiedenen Bevölkerungsgruppen unterschiedlich. Ethnische Minderheiten und Migrantengruppen nehmen nicht zu gleichen Bedingungen an der Gesellschaft teil wie andere Mitbürger.

Nur wer von strukturellem Rassismus selbst betroffen ist, versteht wirklich, worum es sich dabei handelt. Um zu versuchen, dieses Gefühl der Ausgrenzung nachzuvollziehen, kann man eigene Erfahrungen im Ausland heranziehen; etwa wenn man anders behandelt wurde als die anderen und den Eindruck bekam, nicht dazuzugehören.

Was ist Alltagsrassismus?

Alltagsrassismus ist die Bezeichnung für alltägliche Situationen in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule, oder bei öffentlichen Anlässen, bei denen Menschen auf andere so reagieren, als ob sie aufgrund ihrer kulturellen oder ethnischen Zugehörigkeit minderwertig sind.

"Wir können und wissen alles am besten"

Manchmal ist Patriotismus positiv und kann ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen; andererseits kann übertriebener Nationalstolz zu Distanz, Intoleranz und Feindschaft führen. Nationalstolz baut oft auf einem starken "Wir-Gefühl" auf: "Wir sind besser als die anderen." "Unser Lebensstil ist besser." "Wir können gewinnen!"

Ab einem bestimmten Punkt wird das Zusammengehörigkeitsgefühl bedrohlich für Fremde: Die Menschen verteidigen nicht ihr eigenes Land gegen Angriffe, was völlig in Ordnung ist, sondern sie "verteidigen" es gegen vermeintliche Feinde, nämlich gegen Flüchtlinge und Migranten. Dies kann zu Gewalt und Diskriminierung führen und die demokratischen Grundfesten einer Gesellschaft erschüttern. Dabei sind viele Menschen rationalen Argumenten gar nicht mehr zugänglich. Sie sind der Meinung, dass die "Gegenseite" auf irgendeine Weise anders ist, anders glaubt, denkt und deshalb "weniger wert" ist und können nur sehr schwer davon abgebracht werden.

Was ist ein Vorurteil?

Ein Vorurteil kann als negative Haltung gegenüber Individuen einer bestimmten Gruppe definiert werden, einfach weil sie der betreffenden Gruppe angehören oder anzugehören scheinen. Beurteilungen von Einzelnen oder einer Gruppe basieren auf Verallgemeinerungen, Fantasien, vorgefertigten Meinungen oder Vorstellungen. Die meisten Menschen haben Vorurteile, doch gefährlich wird es, wenn Vorurteile mit Machtausübung Hand in Hand gehen. In der Gesellschaft müssen wir stets auf das Meinungsklima achten und dürfen niemals Stimmungen schüren, die zur Verstärkung von Vorurteilen und Misstrauen führen. Fremdenfeindliche Parteien führen immer wieder die Einwanderung als Erklärung für eine Reihe von gesellschaftlichen Problemen an.

"Welch eine triste Epoche, in der es leichter ist, ein Atom zu spalten als ein Vorurteil."
Albert Einstein

Wer ist ein Fremder?

Ein "Fremder" ist eine Person, die nicht einer bestimmten Gruppe anzugehören scheint. Die Bedeutung dieses Begriffs hängt davon ab, wie man die "Gruppe" in diesem Zusammenhang definiert. In Bezug auf einen bestimmten Landesteil ist vielleicht derjenige, der woanders geboren wurde, ein Fremder; in Bezug auf die Nation ist ein Ausländer fremd; in Bezug auf eine religiöse Sekte kann ein Nichtmitglied der Sekte als "Fremder" angesehen werden.

Das Wort kann negativ interpretiert werden und mit einem feindlichen Unterton verwendet werden. Wenn bestimmte Gruppen in einem Land als "Fremde" bezeichnet und diskriminiert werden, oder gar Übergriffen ausgesetzt sind, spricht man von Fremdenfeindlichkeit.

Was ist Fremdenfeindlichkeit?

Der Ausdruck Fremdenfeindlichkeit wird häufig bei der Beschreibung von negativen Haltungen gegenüber Einwanderern verwendet. Fremdenfeindliche Ideologien sprechen häufig davon, dass Fremde der eigenen Kultur, die im Allgemeinen als höher angesehen wird, zu schaden drohen. Mischehen oder Verbindungen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Kulturen werden abgelehnt. Für Menschen, die eine solche Weltanschauung haben, ist die Anwesenheit Fremder die Ursache von sozialen Konflikten. Diese Menschen meinen, dass die Lösung der Konflikte entweder durch die Assimilierung der Fremden oder ihre Entfernung erfolgen kann. (Assimilierung bedeutet, dass die kulturelle Eigenart einer Gruppe verschwindet oder in der Begegnung mit der Mehrheitsgesellschaft aufgegeben wird.)

Gegenseitiger Respekt - wichtiger Grundstein

Zur Verhinderung eines Anwachsens von Rassismus und Intoleranz ist es wichtig, allen Individuen der Gesellschaft ein Gefühl der Geborgenheit und der Teilhabe zu vermitteln. Dann ist die Chance groß, dass alle in der Gesellschaft gegenseitigen Respekt füreinander empfinden und gemeinsame Werte achten und nach ihnen leben. Eine echte Demokratie ermöglicht es verschiedenen Menschen, trotz aller Unterschiede in gegenseitigem Respekt zusammenzuleben. Eine Kultur, die auf Respekt füreinander aufbaut, ist eine Voraussetzung für Demokratie und Frieden.

Was ist ethnische Diskriminierung?

Ethnische Diskriminierung ist die Sonderbehandlung verschiedener Gruppen der Gesellschaft; beispielsweise Männer und Frauen, Deutsche und Zuwanderer, Heterosexuelle und Homosexuelle, Mehrheit und Minderheit. Diskriminierung ist eine Art der Sonderbehandlung, die die Individuen in der Gemeinschaft direkt oder indirekt benachteiligt und verletzt.

Anti-Rassismus-Konvention der UNO

Eine der für die Bekämpfung der ethnischen Diskriminierung bedeutendsten internationalen Konventionen der Vereinten Nationen ist das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (1965). Die Konvention hält fest, dass der Staat dafür Sorge trägt, dass niemand aufgrund von "Rasse, Geschlecht, Sprache oder Religion" diskriminiert wird. Jedes zweite Jahr müssen die Vertragsstaaten der Konvention dem Ausschuss einen schriftlichen Bericht über ihre Tätigkeit zur Erfüllung der Bestimmungen des Übereinkommens vorlegen. Die Menschenrechtskommission hat ferner zur Unterstützung dieser Tätigkeit auf nationaler und internationaler Ebene einen Sonderberichterstatter über Rassismus, Rassendiskriminierung und Fremdenfeindlichkeit ernannt.

Anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung der Rassendiskriminierung betonte UNO-Generalsekretär Kofi Annan am 21. März 2004, dass es wichtiger denn je sei, dass die internationale Gemeinschaft ihre Kapazitäten stärkt, um die Gefahr eines Völkermordes, Massenmordes, "ethnischer Säuberungen" und vergleichbarer Verbrechen so früh wie möglich zu erkennen und zu verhindern. Er betonte auch, dass Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Verantwortlichen für solche Verbrechen vor Gericht zu stellen.

Kofi Annan forderte die Regierungen auf, Toleranz, interkulturellen Dialog und Respekt für die Vielfalt durch konkrete politische Maßnahmen aktiv zu fördern. Dies sei in der heutigen Welt, in der die Menschen in verschiedenen Ländern immer stärker miteinander verbunden sind, wichtiger denn je, betonte der UNO-Generalsekretär.

Internationale Dokumente über die Menschenrechte:

Beispiele für regionale Konventionen über die Menschenrechte:

Internationella flyktingdagen i Oslo 2003, två unga besökare i ett flyktingläger som hade satts upp i stadens centrum

Kinder bei einer Feier zum Weltflüchtlingstag in Oslo, 2003.

© UNHCR/G.Jusnes