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Asylsuchende und Kriminalität - ein heißes Eisen

Wer hat noch nicht von Problemen mit Asylsuchenden gehört? Vom Drogendealer, der mit einer kleinen, aber doch kriminellen Menge erwischt wurde und - ja, ein Asylverfahren laufen hatte? Oder von einem Faustschlag, der einen Asylsuchenden mit dem Gesetz in Konflikt gebracht hat? Diese Dinge kommen also auch bei Menschen vor, die möglicherweise woanders verfolgt waren und nun bei uns sind.

Einzelne Politiker und Journalisten machen die Öffentlichkeit oft glauben, dass Asylsuchende für den Anstieg der Kriminalität verantwortlich sind, dass sie überhaupt Kriminelle sind. Dieses Vorurteil stimmt bei genauer Betrachtung der Fakten nicht, wie Kriminalitätsexperten bestätigen.

Kriminalität Asylsuchender, die große Unbekannte

Das beginnt damit, dass es gar keine gesicherten Fakten zum Thema gibt: Nicht einmal die Sicherheitsbehörden wissen, wie viele (oder wenige) kriminelle Akte von Asylsuchenden begangen werden.

Zum Beispiel in Österreich: Die Gerichtliche Kriminalstatistik - sie erfasst nicht bloße Anzeigen, sondern von einem Richter verurteilte Straftaten - kennt keine Kategorie "Asylsuchende". Sehr wohl unterscheidet sie in In- und Ausländer allgemein. Dazu zählen auch Asylsuchende, genauso wie US-amerikanische Wirtschaftsverbrecher und deutsche Ladendiebe. Vergleicht man nun jüngste Zahlen mit den Jahren seit der Jahrtausendwende, dann zeigt der Kriminalitätstrend nach oben. Auch der Ausländeranteil daran steigt. Inländer stellen aber die meisten Verurteilten.

Kriminalsoziologen wie Arno Pilgram von der Universität Wien weisen darauf hin, dass Ausländer der ersten, zweiten oder dritten Zuwanderergeneration in Kriminalitätsfragen sogar besonders unauffällig sind. Das mag daran liegen, dass für sie bei einem Gesetzesverstoß mehr auf dem Spiel steht - bis hin zur Abschiebung in die Heimat. Pilgram kommt zu dem Schluss: "Ausländerkriminalität gleicht weithin jener von Österreicherinnen und Österreichern, und zwar überall dort, wo die soziale Situation der Fremden keine außergewöhnliche ist." Weniger wissenschaftlich ausgedrückt: Ob jemand krimineller ist als jemand anderer, liegt viel, viel weniger an der Herkunft als an der sozialen Lage.

Statistik-Fallen

Auch in Deutschland gibt es nur eine Kriminalstatistik, die zwischen Ausländern und Deutschen unterscheidet. Ein Vergleich selbst zwischen diesen beiden Gruppen ist laut Bundeskriminalamt auf dieser Grundlage "nicht möglich". Das liegt unter anderem daran, dass bestimmte Ausländergruppen ("Illegale, Touristen/Durchreisende, Besucher, Grenzpendler und Stationierungsstreitkräfte") in der Kriminalstatistik mitgezählt werden, aber nicht in der Wohnbevölkerungsstatistik auftauchen.

Häufig werden in Statistiken Verstöße gegen ausländer- und asylrechtliche Bestimmungen mit aufgeführt. Dadurch werden die Zahlen erneut verfälscht, da die Bürger des jeweiligen Landes gar nicht gegen solche Regelungen verstoßen können.

Junge Männer überrepräsentiert

Andererseits ist erwiesen, dass junge Männer statistisch häufiger kriminell werden als andere Gruppen. Junge Männer sind in der ausländischen Bevölkerung in den meisten Industriestaaten überrepräsentiert. "Die Kriminalitätsbelastung der Deutschen und Nichtdeutschen ist zudem aufgrund der unterschiedlichen strukturellen Zusammensetzung (Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur) nicht vergleichbar", heißt es in der Polizeilichen Kriminalstatistik für 2004.

"Die sich in Deutschland aufhaltenden Personen ohne deutsche Staatsbürgerschaft sind im Vergleich zur deutschen Bevölkerung im Durchschnitt jünger und häufiger männlichen Geschlechts. Sie leben eher in Großstädten, gehören zu einem größeren Anteil unteren Einkommens- und Bildungsschichten an und sind häufiger arbeitslos. Dies alles führt zu einem höheren Risiko, als Tatverdächtige polizeiauffällig zu werden."

Flüchtlinge sind Opfer, nicht Täter

Schließlich sollte man bedenken: Beim Asylverfahren geht es darum, herauszufinden wer als Flüchtling anerkannt wird und bleiben darf. Flüchtlinge sind Opfer von Verfolgung, oft von schweren Verbrechen: Folter, Mordversuchen, Genitalverstümmelung. Asylsuchende sind außerdem die ersten Opfer skrupelloser Schlepper, die sie unter menschenunwürdigen Bedingungen einsperren, ihnen Gewalt antun oder sie ausbeuten.

Wenn die Vorbeugung und Verfolgung von Straftaten nicht den Erwartungen der Öffentlichkeit entsprechen, sollte man die verschiedenen Hintergründe mit bedenken. (Die oben aufgezählten Hintergründe sind längst nicht alle.) Und nicht Opfer zu Tätern stempeln.

Ülkü Holago från Quick Response

Auch in Zeitungen wird häufig "Asyl" mit "Kriminalität" in Verbindung gebracht. Hier ein Artikel aus den "Oberösterreichischen Nachrichten".

© UNHCR/R.Schönbauer