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Integration ist mehr als ein Deutschkurs

Yves Kaza Rutereza lebt mit seinen Kindern in einer Vier-Zimmer-Wohnung in Wien. Die Sprösslinge drängen sich im Wohnzimmer auf der Couch und kichern, während sie den Erzählungen des Vaters lauschen.

Der fünffache Familienvater aus der Demokratischen Republik Kongo blickt auf eine lange Geschichte der Flucht, der Suche nach Heimat und des Abschieds zurück. Während er erzählt, nimmt er seine Brille immer wieder ab, seufzt und setzt sie wieder auf. Der 40-Jährige hatte nicht geplant, in Österreich zu bleiben, doch seine Frau lebte seit Dezember 2003 als Flüchtling in Wien. Nach weniger als einem Jahr erkrankte sie an einer Herzschwäche und fiel ins Koma. Yves Kaza kam, um sie zu betreuen, doch sie starb im April 2004. "Wir haben gehofft, dass sie eines Tages wieder aufwacht", sagt er leise - ein Wunsch, der sich nicht mehr erfüllte.

Aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit und seines politischen Engagements in einer Menschenrechtsorganisation beantragte er Asyl - gemeinsam mit seinen Söhnen Jeremy, Steve, Christian und Töchtern Sandra und Patricia. Österreich nahm sie auf. Das bedeutete, in der Alpenrepublik ein neues Leben aufzubauen, in Afrika hatte er bereits Karriere gemacht. Nach dem Studium der Anthropologie und Soziologie in seiner Heimat arbeitete er in der Entwicklungszusammenarbeit.

Familie Kaza stammt aus der Provinz Süd-Kivu im Osten der Demokratischen Republik Kongo und gehört einer ethnischen Minderheit der kongolesischen Tutsi, den Banyamulenge, an. Als 1996 der Krieg in ihrer Heimat begann, sprach man ihnen die Staatsbürgerschaft ab und zwang sie, das Land ohne ihren Besitz zu verlassen. "Mein Onkel und seine fünf Kinder wurden ermordet, mein Zuhause, in dem ich aufwuchs, zerstört - viele Leute starben", erzählt Yves Kaza.

Für die Familie wurde die Zerrissenheit zum Alltag. Sie flohen nach Äthiopien, Herr Kaza zog dann weiter nach Ruanda. Die Lage in den Krisengebieten war zu unsicher für die Kinder. In Ruanda arbeitete er dann als Projektmanager in der Entwicklungszusammenarbeit und in einer Menschenrechtsorganisation. Aufgrund seiner politischen Arbeit floh er 1998 - wieder vereint mit seiner Familie - nach Benin, wo sie als Flüchtlinge anerkannt wurden: "Es war ein sehr friedvolles Land zu Beginn, dann aber entstanden unsere Probleme als Flüchtlinge." 1999 begannen aufgebrachte Bürger ungestraft Selbstjustiz zu üben. "Wäre ein Hutu gestorben, wären wir als Tutsi sicher bedroht oder getötet worden", erzählt Yves Kaza aufgebracht. Auch seine Frau lebte nun wieder in Angst, als Ausweg sah sie nur die Flucht. 2003 verließ sie Benin mit den beiden Jüngsten.

"Kinder kennen mein Land nicht"

Nach eineinhalb Jahren in Österreich wurden Herr Kaza und seine Kinder als Flüchtlinge anerkannt. Die Kinder scheinen mit der Situation gut umzugehen: "Sie sind sehr stark. Aber es ist kompliziert", sagt er betroffen. "Das erste Problem war die Sprache, dann die Gesellschaft." Sich hier zurechtzufinden ist schwer: "Einmal als Flüchtling anerkannt, scheint der Besuch eines Deutschkurses genug. Aber das bedeutet keine wirkliche Integration!"
Das Familienschicksal hat auch kulturelle Auswirkungen. "Sie kennen mein Land und meine Sprache nicht." Er lacht verlegen: "Meine Kinder sprechen Deutsch - ich nicht!"
Sandra (14), Herrn Kazas älteste Tochter, überlegt: "In Österreich war alles neu, und es war kalt." Ihre Mitschüler hat sie kennen gelernt, weil sie ihnen mit ihrem Wörterbuch Französisch beibrachte.

Zur Ausbildung der Kinder kamen Hürden: "Die Kinder haben in Deutsch ein Befriedigend, daher hatte ich Probleme, sie ins Gymnasium zu schicken." Erst durch eine Bekannte, die Schuldirektorin war, konnte er sie in einer Integrationsklasse für Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache anmelden. Denn in Mathematik und Englisch sind sie ausgezeichnet. Sandra mag Englisch und lernt wie ihre österreichischen Mitschüler, "manchmal gerne, manchmal nicht".

Bleiben oder mal wieder vorbeischauen?

Auch wenn Sandra nun Deutsch spricht, fühlt sie sich mit Österreich noch nicht vertraut. Rassistische Diskriminierungen passieren auf offener Straße, Passanten beschimpften sie als "Nigger". Ihr Vater weiß, dass seine Kinder manchmal lieber woanders leben würden. Als Afrikaner sei es schwer: "Egal, in welchem Land Europas man ist, man wird immer schwarz sein." Das ist demotivierend. "Denn wir kommen nicht nur wegen dem Flüchtlingsstatus, wir möchten an der Gesellschaft teilnehmen, nützlich für sie sein", meint der Witwer. Derzeit arbeitet der Akademiker ehrenamtlich in der Beratung von Asylsuchenden, hält aber Ausschau nach einer bezahlten Stelle.

Sandra möchte Ärztin werden. Leben möchte sie - wie ihr Onkel - in den Vereinigten Staaten. "Nach Österreich werde ich gern mal wieder vorbeischauen", verspricht sie. Ihre jüngere Schwester Patricia hat andere Pläne: "Ich möchte hier bleiben", meint sie und fügt hinzu: "Meine beste Freundin ist aus Österreich."

En familj som kommit till Sverige som kvotflyktingar, efter att ha levt i många år i ett flyktingläger i Irak. Foto: UNHCR/R. Vilkénas

Yves Kaza.

© UNHCR/ R. Schönbauer